EMA hat sein Programm für Frühjahr/Sommer 2012 bekanntgegeben. Die neuen Serien sind:
Another – Yukito Ayatsuji, Hiro Kiyohara
Bibliotheca Mystica – Chaco Abeno (Originaltitel: Dantalian no Shoka)
Cocktail Control – Makoto Tateno (Originaltitel: Side Car Seigyohou)
Devil's Game – Ryo Takagi
Di[e]ce – Otoh Saki,... [mehr]
Es gibt Dinge, die nimmt man kurz in die Hand, schüttelt kurz den Kopf darüber und lacht kurz, und dann legt man sie wieder weg, ohne einen weiteren Gedanken daran zu verschwenden. Und dann gibt es Sachen, die man für unglaublich hält und sich fragt, wie so etwas auf den Markt kommen konnte. Und das Fiese: Dieses Erstaunen geht nicht weg, es hält sich hartnäckig.
So jedenfalls ging es mir beim Betrachten des Zeichenkurses "Manga Zeichnen für Kids" von Peter Gray aus dem paletti-Verlag.

Dieses Buch verspricht also ein Super-Preisleistungs-Verhältnis und ist eine Übersetzung eines Kurses, der bereits im englischsprachigen Ausland veröffentlicht wurde. Jetzt fragt sich der geneigte Leser sicherlich: "Was zum Teufel hat der denn gegen dieses Büchlein, sieht doch ganz manierlich aus."
Nun ja: Entgegen dem Impressum sind die Coverbilder (und auch die Backcoverbilder) unter Garantie nicht vom selben Typen, der den Zeichenkurs im Buch gemacht hat. Die Coverbilder sind von mehr oder weniger professionellen Comic- bzw. Mangazeichnern. Im Buch dagegen sieht es ganz anders aus... Aber schauen wir uns doch erst einmal an, was man zum Mangazeichnen braucht!

Man beachte: Wer mehr als 8 Blätter für den Kurs braucht, ist ein Versager. Wer mit einem einzigen Druckbleistift auskommt, auch. Mehr als 5 Buntstifte sind ebenfalls streng verboten, wer braucht schon so viele Farben. Könnte ja Epilepsie auslösen.
Der Tipp mit dem Pinsel gehört übrigens ins Strafgesetzbuch: Professionelle Comiczeichner werden sich hüten, Linien mit dem Pinsel nachzuzeichnen, dafür nimmt man Feder oder Fineliner. Die weiße Farbe benötigt Peter Gray selbst übrigens nicht: Glanzlichter sind mit Photoshop gesetzt worden, wenn ich da mal vorgreifen darf.
Aber nun geht es endlich ans Werk, und es wird Schritt für Schritt ein Mangagesicht gezeichnet. Peter denkt sich dabei aber nichts selbst aus, sondern orientiert sich an fertigen Figuren. Das Vorbild für die erste Person (die Peter "Ariel" genannt hat) sieht so aus:

Schnuckelig, nicht wahr? Nur leider etwas klein. Aber dafür gibt's jetzt das Gesicht in voller Schönheit, wie man es jetzt selbst originalgetreu zeichnen kann, wenn man den Zeichenkurs durchgemacht hat. Ariel Ultra, sozusagen.

Fantastisch! Man merkt den Unterschied zum Original nur, wenn man hinguckt. Die Karl-Dall-mäßigen Augenlider kommen übrigens daher, dass Peter seine eigenen Hilfslinien zu ernst genommen hat. Das Schielen wiederum kommt daher, dass Peter keine Ahnung von Augen hat.
Als nächstes lernt man, "Blaze" zu zeichnen, einen schneidigen jungen Söldner mit freiem Oberkörper und hormoneller Überdosis. Keine Spur Mangastil, sondern eher im Stil von US-Comics, und auch nicht so überragend, deswegen kein Bild.
Dann kommt "Serena". So hat Peter seine Version des rosahaarigen Mädels auf dem Cover genannt. Und wieder ist man über die Originaltreue verblüfft.

Irgendwie hat "Serena" eine ihrer Haartollen im Gesicht verloren, dafür wirkt aber die ganze Frisur wie aus Plastik gegossen. Dank der Photoshop-Glanzlichter hat "Serena" ganz schöne Hamsterbacken und steht wohl auch gut im Futter. Eine Stilähnlichkeit mit "Ariel" besteht - wie man sieht - nicht.
Die vierte und letzte Figur, die man zeichnen können muss, um zum neuen Tezuka zu werden, ist ein Mecha, der ein wenig wie ein grün gestrichener Gundam aussieht. Den findet Peter übrigens am schwierigsten zu zeichnen. Dafür hat Peter sich eine ganz tolle Geschichte zu dem Mecha namens "X-O-Dus" ausgedacht. Der ist nämlich nicht nur "schwer gepanzert und für den Nahkampf gerüstet". Der Knaller ist: "Er wird von dem mysteriöse Söldner Quarg gesteuert." Ich möchte nochmal darauf hinweisen, dass ich mir die ganze Sache nicht ausdenke. Es steht da wirklich "Quarg". (Irgendwie dachte ich beim Durchblättern des Heftes schon "So ein Quarg". Das sind mal präkognitive Fähigkeiten.) Wie auch immer: X-O-Dus ist für den Straßenkampf gedacht, hat aber Raketen(!), Hitzeschilde und Sprengköpfe für den Langstreckeneinsatz(!), die sich aber anscheinend in der Prärie ausschalten, weil dort laut Peter "seine Schnelligkeit die einzige Waffe ist".
Jedenfalls bringt Peter dem Leser im Anschluss noch bei, wie sich die Gesichtsausdrücke von diesen vier Figuren verändern können. (Ja, auch von dem Mecha... Ja, das meine ich ernst.)
Ariel Ultra hat's dabei besonders schwer erwischt:
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| Dieser Silberblick geht schon in den Gold-/Platin-Bereich... | Der erste Blick in den Spiegel ist immer der grausamste. |
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| "Schon der vierte Prinz, der lieber Frosch blieb, als mich zu küssen..." | "Willst du mich nicht küssen?" Würg... |
Von Serena gibt's natürlich auch vier Bilder, aber um die Besucher der Seite nicht zu verschrecken, belasse ich es mal bei einem.

Trotz speckigem Gesicht immer noch schöner als
Ariel auszusehen, ist schon erstaunlich...
Die Mädels brauchen natürlich auch Körper + Klamotten, und ich muss zugeben: Peter schafft es mit seinen modischen Kreationen, das Aussehen der Frauen noch zu unterstreichen.
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| Frisch aus der Altkleidertonne... | Keine Titten, aber sehr hervortretender Genitalbereich... was für ein Lederluder. |
In den Anweisungen zum Zeichnen des rechten Bildes schreibt Peter auch noch: "Es ist auch immer sinnvoll, sich bei den Händen und Füßen viel Mühe zu geben, denn an ihnen erkennt man, wie gut du wirklich zeichnen kannst." Nun muss ich zugeben, dass die Hände wirklich okay aussehen und die Füße echt genug wirken, um ihren Gestank in der Nase zu spüren. Aber der Perfektionismus an diesen Stellen bringt überhaupt nichts, wenn das Gesamtbild immer noch Brechdurchfall auslöst.
Auf den folgenden Seiten gibt's dann noch Bilder von den Charakteren in Aktion (je Figur aber nur eins), gefolgt von einem Gruppenbild, bis man dann von der letzten Seite in die Freiheit entlassen wird.

Neben Ariel, die da gerade eher wie Oma Elsa aussieht, springen natürlich so einige Textstellen ins Auge, die man ungern unkommentiert lässt:
| Mit der Hilfe von Peter Gray, einem Manga-Fan und herausragenden Zeichner... | Man beachte, dass man durchaus auch als schlechtes Beispiel herausragen kann. |
| Peter hat schon immer gern gezeichnet und begann, den Manga-Stil in seine Arbeit einzubeziehen. | Wobei man sich die Frage stellt, was für eine Arbeit ein Drittklässler haben kann. |
| Peter hofft, dass du seine Arbeiten hilfreich findest... | Wie sagt man so schön? Die Hoffnung stirbt zuletzt. |
| Mit den Grundlagen, die du jetzt hast, kannst du Kunstwerke schaffen, die genauso gut sind wie die deiner Lieblingszeichner. | Vorausgesetzt, deine Lieblingszeichner sind Blinde in einer Behindertenwerkstatt und malen mit dem Mund. |
Den letzten Satz find ich besonders schön: "Vergiss nie, dass auch sie einmal ganz klein angefangen haben!" Und Peter hört wohl auch ganz klein auf.
Und somit kann ich eigentlich nur alle davor warnen, für diesen billigen Versuch, vom Mangaboom zu profitieren, auch noch Geld auszugeben, selbst wenn es nur 4 Euro sind. Bücher wie dieses sind der Grund, weswegen die Gesellschaft Bücherverbrennungen noch nicht völlig ablehnt.
Und eine Bitte an die Verlage: Wenn ihr mit Manga-bezogenen Büchern Geld verdienen wollt, dann versucht nicht, eure Kunden zu bescheißen, nur weil es höchstwahrscheinlich Kinder sind. Denn für solche Machwerke ist auf Animestreet immer Platz für einen Verriss...
Christian
Infos in Kürze
Titel: Manga Zeichnen für Kids (die sich nicht wehren können)
Autor: Peter Gray (Klasse 3a)
Verlag: paletti (zweiter Sieger im Verlagswettbewerb "Viel Gewinn mit wenig Aufwand")
ISBN: 3-89893-701-1 08/154711echtkölnischwasser...
Preis: 3,95€ (Kriegt man aber durch die Schmerzensgeldzahlungen des Verlags spielend wieder rein...)
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