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Dass sich (auch im Bereich der Videospiele) die Geschmäcker von Japanern und Europäern unterscheiden, ist bekannt. Tatsächlich sind sich die deutschen Publisher dieser Tatsache so sehr bewusst, dass sie selbst brillante Spiele (abseits des Rollenspielgenres) gar nicht erst in Deutschland veröffentlichen, aus Angst vor einem gigantischen Flop. Erst eine erfolgreiche Veröffentlichung in den USA öffnet oft die Türen für die Spieler in Europa, das hat schon "Katamari Damashii" gezeigt. Und auch "Phoenix Wright: Ace Attorney" für den Nintendo DS wäre uns beinahe entgangen. Noch im Frühjahr letzten Jahres, als die englische und französische Version veröffentlicht wurde, ließ Capcom verlauten, dass eine Veröffentlichung in Deutschland nicht geplant sei. Ob es die zahlreichen Importe oder Anfragen der Spieler waren: Im November 2006 kam das Spiel dann doch noch auf den deutschen Markt, und zwar in deutscher (sowie spanischer und italienischer) Übersetzung.
Phoenix Wright ist Anwalt. Allerdings kein Staranwalt, sondern ein Frischling, der gerade erst sein Studium abgeschlossen hat. Als Juniorpartner einer etablierten Anwaltskanzlei muss er unter der Anleitung seiner Chefin Mia Fey seinen ersten Fall übernehmen. Und der hat es bereits in sich: sein alter Kumpel Larry Butz steht unter Mordverdacht, und Phoenix muss ihn in der Gerichtsverhandlung rauspauken. Einziger Weg: den wahren Täter entlarven. Dieser Prozess ist jedoch ein Klacks gegen die folgenden Fälle, in denen Phoenix es auch mit erpressbaren Richtern und dem Staatsanwalt Miles Edgeworth zu tun hat, der sich nicht scheut, Beweismittel zu fälschen, um den Angeklagten hinter schwedische Gardinen zu bringen. Sogar sich selbst muss Phoenix verteidigen...
Das Adventure Phoenix Wright basiert auf einer Idee, die im Fernsehen in Serien wie "Matlock" schon Dutzende Male verwendet wurde, im Bereich der Computerspiele jedoch sehr frisch daherkommt. Dabei teilt sich das Spielgeschehen in zwei Teile auf. Zunächst werden (außer im ersten Fall) Spuren gesucht (nicht nur am Tatort) und Zeugen befragt, um entlastende Beweise zu sammeln, die man dann in der Gerichtsverhandlung an den richtigen Stellen präsentiert, sobald ein Widerspruch in den Aussagen der Belastungszeugen auftritt.
Im ersten Part bewegt man seinen Cursor über die (statischen) Hintergrundbilder, um besonders markierte Stellen näher zu untersuchen. Physische Beweismittel werden automatisch im Inventar (als "Gerichtsakte" bezeichnet) abgelegt. Falls Leute anwesend sind, wird automatisch in den Dialogmodus geschaltet, in dem der Text (nebst den Gedanken von Phoenix) unter dem Gesprächspartner angezeigt wird. Oft gibt es die Möglichkeit, aus mehreren Antworten auszuwählen, wobei in den meisten Fällen die Antworten nacheinander ausgewählt werden können, um wirklich alle Informationen zu bekommen.
In der Gerichtsverhandlung hat man natürlich weniger Möglichkeiten, in das Geschehen einzugreifen. Der Richter ruft die Zeugen der Anklage auf, welche dann ihre Aussage machen. Anschließend darf man sie ins Kreuzverhör nehmen, in der die Aussage noch einmal häppchenweise präsentiert wird. Man hat die Wahl, Einspruch zu erheben, falls einem ein Widerspruch in der Aussage auffällt (den man dann allerdings mit dem richtigen Beweisstück in der Gerichtsakte belegen muss), oder man kann gezielt nachhaken, um so vielleicht einen Widerspruch zu provozieren. Erhebt man in einer Verhandlung allerdings fünf Mal Einspruch, ohne Beweise vorlegen zu können, ist der Prozess verloren. Glücklicherweise kann man jederzeit in der Gerichtsakte nachschauen, außerdem gibt es bei Schwierigkeiten oft kleine Hinweise von Mentorin Mia Fey oder ihrer kleinen Schwester. Einige Fälle gehen über mehrere Verhandlungstage, es wechseln sich die Ermittlungs- und Verhandlungsteile also auch innerhalb eines Falles ab. Insgesamt gibt es fünf Fälle, die nacheinander freigeschaltet werden, sobald man einen Fall gelöst hat. Die Fälle kann man dann beim Spielstart auch direkt anwählen, ansonsten gibt es aber auch die Möglichkeit, seinen Fortschritt zu speichern (es gibt allerdings nur einen Speicherplatz).
Grafisch ist Phoenix Wright zwar nicht sehr aufwändig, bringt aber durch den Animestil Emotionen und Dynamik gut rüber. Die Hintergründe sind (wie schon erwähnt) statisch, aber zeichnerisch gut gelungen. Die Animationen sind eher spärlich und beschränken sich oft auf einzelne Arm- oder Augenbewegungen bzw. durch Verschieben einer Figur über den Hintergrund. Musikalisch kann man von Phoenix Wright schon aufgrund der kleinen DS-Lautsprecher keine Symphonien erwarten, allerdings ist die musikalische Untermalung stimmungsvoll und passt stets zur Situation. Sehr gut gelungen sind die kleinen Sounddetails: Das Schlagen des richterlichen Hammers, das Johlen der Zuschauer im Gerichtssaal und erst recht Phoenix' "EINSPRUCH!" oder "MOMENT MAL!" sind herrlich anzuhören und tragen mit dazu bei, in der Rolle des Anwaltes zu versinken.
Die zwei Bildschirme werden gut ausgenutzt - oben verfolgt man das Geschehen, unten werden die Gerichtsakte und die (Gesprächs- oder Handlungs-)Optionen eingeblendet beziehungsweise Untersuchungen geführt. Das Mikrofon darf ebenfalls benutzt werden - nicht nur, um stilecht "EINSPRUCH!" in den Gerichtssaal zu brüllen, sondern auch, um etwa bei Fingerabdruck-Untersuchungen Puder wegzupusten.
Bei der Übertragung ins Deutsche hat man sich sichtlich Mühe gegeben, es wurden weder Humor noch Verständlichkeit vernachlässigt. Kleinere Schreibfehler fallen zwar auf, sind aber nicht allzu häufig und stören nicht wirklich. Man kann Capcom sowieso nicht genug loben für die Entscheidung zur Übersetzung - andere Publisher bringen japanische Spiele nur in englischer Übersetzung (We love Katamari) oder übersetzen nur die Untertitel, während die Stimmen englisch bleiben (Final Fantasy X). Capcom zeigte hier mehr Respekt für einen der größten Spielemärkte der Welt.
Das Spiel ist trotz der mörderischen Fälle übrigens gewaltfrei und hat keine Altersbeschränkung.
Trotz allem muss allerdings doch etwas Kritik sein. Manchmal ist es nicht ganz einfach herauszufinden, an welcher Stelle man am besten Einspruch erheben sollte. So etwas tritt gleich im ersten Fall auf: man weiß, dass es einen Stromausfall gab, und eine ganze Zeugenaussage dreht sich darum, dass der Zeuge einen Fernseher gehört haben will, so dass von der Logik her eigentlich zu jedem Zeitpunkt ein Einspruch möglich sein sollte, Fernseher laufen schließlich nicht ohne Strom. Allerdings bekommt man den richtigen Einwand erst dann zur Auswahl, wenn man einen bestimmten Satz der Aussage anzweifelt. An einer anderen Stelle bewegt man sich während des Kreuzverhörs im Kreis - dass das Spiel erwartet, dass man die meisten Fragen doppelt anwählt, um Zeit zu schinden, merkt man erst hinterher. Der dritte Kritikpunkt spricht allerdings auch für das Spiel: Es ist zu kurz. Die fünf Fälle kann man innerhalb eines Tages lösen, und man lechzt nach mehr Fällen, da das Spiel aufgrund seines linearen Aufbaus eher weniger dazu geeignet ist, es mehrmals hintereinander durchzuspielen (man sieht nämlich nichts Neues mehr).
Phoenix Wright 2 ist (mit dem Untertitel "Justice for all") im Januar in den USA erschienen und für das erste Quartal 2007 auch bei uns geplant. Der zweite Teil bietet allerdings nur 4 Fälle. Kurios: Schon die japanische Version bot optional englische Texte.
Übrigens sind die beiden Spiele lediglich Remakes: Ursprünglich erschienen die Spiele unter dem Titel "Gyakuten Saiban" nur in Japan für den Game Boy Advance und wurden später für den Nintendo DS überarbeitet. Zur alten Serie gehört auch ein drittes Spiel, ob dieses jedoch auch für den DS erscheint, ist bisher unklar. Im April 2007 wird in Japan Teil 4 der Serie veröffentlicht, in dem jedoch Phoenix Wright nicht der Hauptcharakter sein wird. Außerdem können sich die Japaner inzwischen auch mit einem Phoenix-Wright-Manga die Zeit vertreiben.
Dieses Spiel ist für mich der beste Grund, ein Nintendo DS zu besitzen. Wer Adventures und Knobeleien mag, die Ratekrimis in der Fernsehbeilage der Tageszeitung als erstes aufschlägt und die Abenteuer von Detektiv Conan am Bildschirm oder auf dem Papier verfolgt, wird wahrscheinlich an diesem Spiel nicht vorbeikommen. Wer jedoch Action mag, nicht gerne liest und von Spielen einfache Unterhaltung ohne längeres Grübeln erwartet, der sollte sich den Kauf lieber noch einmal überlegen. Obwohl das Spiel keine Altersbeschränkung hat, sollten Spieler nicht allzu jung sein, da die Texte und Rätsel einen gewissen Anspruch haben und für kleinere Kinder daher frustrierend sein können. Alle anderen können beruhigt zugreifen.
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cees
Ich kann mich Christians Meinung in großen Teilen anschließen, Phoenix Wright: Ace Attorney bietet auf jeden Fall etwas für jeden Krimifan, ist spannend, unter den Charakteren dürfte auch jeder seinen Liebling finden (Edgeworth-Fangirl, ich geb es ja zu...).
Etwas störend finde ich, dass man die Scrollgeschwindigkeit der Texte nicht einstellen kann, und den zuweilen doch etwas zu lineare Spielverlauf.
Ich werde aber auf jeden Fall auch Teil zwei der Serie spielen, inzwischen ist ja in Deutschland auch der vierte Teil der Serie, "Ace Attorney - Apollo Justice", erschienen, kurioserweise vor Teil drei, "Phoenix Wright - Ace Attorney: Trials and Tribulations". Dieser soll Anfang Oktober 2008 erscheinen, für Nachschub für alle Nachwuchsanwälte ist also gesorgt.
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Kurzinformationen:
Titel: Phoenix Wright: Ace Attorney
Originaltitel: 逆転裁判 (Gyakuten Saiban)
Publisher: Capcom
System: Nintendo DS (lite)
USK-Freigabe: ohne Altersbeschränkung
Sprachen: Deutsch, Italienisch, Spanisch
Preis: 34,95€
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