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Ein Manga von einer verlebten und "leicht" realitätsfremden Rocksängerin - kann das gut sein? Aber eigentlich ist das nicht die ganze Wahrheit: Die Story stammt von DJ Milky, das Charakterdesign von Ai Yazawa und der Manga selbst ist von Misaho Kujiradou. Der Manga entstand auf Betreiben von Tokyopop USA und wird momentan im japanischen Wings-Magazin veröffentlicht. Und was hat Courtney Love dabei nun gemacht? Sie entwickelte den Haupt-Charakter (was das bedeutet, erwähne ich später) und schrieb einige Lieder, die in dem Werk verarbeitet werden.
Das Mädchen Ai wacht in einer versifften Gasse in Tokio auf und erinnert sich nur an ihren Namen und an Bilder des Planeten, auf dem sie jetzt steckt. Bei sich hat sie neben ihren etwas abgerissen wirkenden Gothic-Klamotten auch eine kleine herzförmige Schatulle, die angeblich tolle Kräfte besitzen soll.
Als jemand versucht, ihr diese Box zu klauen, wird der Diebstahl von einem jungen Mann namens Kent vereitelt. Ai motzt ihn schroff an und hängt sich dann an seine Fersen. Sie beschließt, sich als Sängerin durchzuschlagen. Ihre Unterkunft findet sie schließlich bei Kent und seinem schwulen Mitbewohner, dessen Klamotten sie sich gerne mal leiht und sie kaputtschnippelt, um sie ihrem Gothicstil anzupassen. In einem Buch liest sie etwas über ihre Heimat, ihre Mutter Königin Lilith und sich selbst, Prinzessin Ai aus dem Ai-Land. Und irgend jemand ist hinter ihr her...
Wie man sieht, ist diese Story eine Mischung zwischen den klischeehaften "Goldkehlchen will erfolgreich werden"- und "unerkannte Prinzessin mit Amnesie wird von Bösewichten gejagt"-Plots.Das muss an sich nicht unbedingt ein großer Nachteil sein. Ein größeres Problem ist der Charakter von Ai, der (nicht überraschend) genau so ist, wie man von Courtney Love erwartet: Etwas dümmlich, aggressiv, respektlos und ohne Achtung vor fremdem Eigentum. Es gelingt einfach nicht, mit der Hauptperson zu sympathisieren.
Auch grafisch zeigt der Manga diverse Mängel. So sind die Charaktere zwar recht hübsch gezeichnet, die Hintergründe sind aber in den meisten Fällen sehr schlicht (und wo sie es nicht sind, sind sie aus Vorlagenbüchern kopiert), was zwar im Allgemeinen nicht stört, aber manchmal die Szenerie unwirklich erscheinen lässt.
Die Aufmachung von "Princess Ai" ist dagegen allererste Klasse. In edlem schwarz gehalten und mit fühlbarem Schriftzug wirkt das Büchlein sehr schmückend und rechtfertigt (zusammen mit den Farbseiten) den Preis von 6,50 Euro.
Sprachlich dagegen hätte man bei der Übersetzung aus dem Englischen sorgfältiger sein können. Das ewige "Princess" wirkt übertrieben (ganz besonders in dem Satz: "Du siehst aus wie eine Princess."), und wenn man die englische Version als Vorlage hatte, verwundert das Auftreten des klassischen "Looser"-Fehlers (das Wort wird eigentlich "Loser" geschrieben).
Keine Schuld trifft die deutschen Tokyopop-Mitarbeiter aber bei der wohl furchtbarsten Bezeichnung im ganzen Manga: das unsägliche "Ai-Land".
Im Anhang des Mangas gibt es nicht nur einen Ausblick auf Band 2 (der aufgrund der noch laufenden Veröffentlichung des Mangas in Japan wohl erst in einem halben Jahr zu erwarten ist), sondern auch Songtexte und Kurzbiographien von Courtney Love, DJ Milky und Misaho Kujiradou (übrigens ein Pseudonym).
Die Frage, ob die Verknüpfung von Musikern mit dem Medium Comic funktioniert, wurde schon positiv beantwortet - Princess Ai jedoch hätte das nicht geschafft. Der Manga hat wenige positive Seiten (schöne Charazeichnungen, sehr gute Aufmachung), die einer Menge negativer Seiten (alles andere) gegenüberstehen. Insofern kann man den Manga nur solchen Leuten empfehlen, die sich stark für den Gothic-Stil interessieren und die von klischeehaften Geschichten noch nicht total übersättigt sind. Alle anderen können sich ihre 6,50 Euro sparen.
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cees
Kurzinformationen:
Titel: Princess Ai
Autoren: DJ Milky, Courtney Love, Misaho Kujiradou
Verlag: Tokyopop Deutschland
Umfang: 192 Seiten
ISBN: 3-86580-191-9
Preis: 6,50 Euro
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